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Matthias Hohner, geboren am 12. Dezember 1833, gestorben am 11. Dezember 1902, ist eine außergewöhnliche Figur in vielerlei Hinsicht: in Trossingen, dem im 19. Jahrhundert unter denkbar ärmlichsten Verhältnissen vor sich hin lebenden Dorf, von allen wichtigen Verkehrsadern weit entfernt und damit quasi von der Außenwelt abgeschnitten, mit nur kärglichem Ackerboden umgeben und selbst unter Mangel an frischem Wasser leidend, kommt er in unsicheren Zeiten zur Welt. Politische Unruhen und Wirtschaftskrisen diktieren die Zeitläufe, nichts deutet auf eine Verbesserung hin. Wie seine Mitbürger lebt er ein erbärmlich armes Leben zwischen Ackerbau, Viehzucht und dem Versuch, mit dem Uhrmacherhandwerk ein wenig dazu zu verdienen.
Doch als Matthias Hohner im Jahre 1902 stirbt, hinterlässt er ein Millionenvermögen und eine Firma mit fast 1.000 Arbeitern alleine in der Region um Trossingen. In seiner Heimatstadt existiert kaum ein Haus, in dem nicht irgend ein Gegenstand für die Mundharmonikaproduktion hergestellt wird.
Trossingen verfügt als eine der ersten Gemeinden in Württemberg über eine eigene Stromproduktion; elektrische Straßenlaternen und die erste elektrische Privatbahn der Welt zeugen von steigendem Wohlstand. Das Amerikageschäft ist fast vollständig in Hohners Hand: die Firma Matth. Hohner avanciert zum größten Musikinstrumentenhersteller der Welt.
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Neben der sensationellen Firmengeschichte, ein Prototyp der industriellen Entwicklung im Deutschen Reich, ist dies die Geschichte eines Aufsteigers par excellence. Ein kleiner Bauern-Junge erobert eine Branche und diktiert am Ende seines Lebens fast vollständig den Markt. Höhen und Tiefen eines Lebens werden in einer spannenden, vor Skurrilitäten und aufregenden Geschehnissen schillernden Geschichte erzählt: die frühzeitige Ehe weil ein Kind unterwegs ist, die tiefe Religiosität der Hohners, die bald etliche Sprösslinge in die Welt setzen, das Ausbreiten der Familie über die ganze Welt, wo die Söhne die Ableger der väterlichen Firma überwachen und die Konkurrenz zur anderen großen Trossinger Fabrikantenfamilie Kiehn.
Von der industriellen Revolution bis zum ersten Weltkrieg, Hohners Herstellung von Themen-Mundharmonikas zu geschichtlichen Daten (z.B. die Zeppelin-Mundharmonika zum Jungfernflug des Luftschiffes), über die NS-Zeit in Trossingen, die geprägt ist von den Auftritten des Fabrikanten Kiehn als NS-Reichstagsabgeordneten, der Gleichschaltung der Firma, bis zur prosperierenden Nachkriegszeit und schließlich dem Verfall der Firma und Verkauf an ein Konsortium in Taiwan reicht der Spannungsbogen.
Liebe, Intrigen, Ehrgeiz und Genie spielen ständig ineinander. Die Geschichte von Matthias Hohner, seinen Söhnen und Enkeln ist eine Geschichte von Erfolg, Niederlagen, von Sex & Crime; aber sie ist auch eine Kultur-Geschichte. Die Pflege der Musik, der Kontakt zu Künstlern und Komponisten, den die Hohners unterhielten, wehte stets einen Hauch von großer Welt in die kleine Harmonikstadt.

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